Müde um 15 Uhr, wach um 22 Uhr: Worüber dein Mittagsteller alles entscheidet

Ein gesundes Mittagessen, wie hier dieses Kitchari hilft gegen das Nachmittagstief

Vor Jahren, ich habe damals in Stuttgart gearbeitet, kam mir am frühen Nachmittag ein Kollege auf dem Gang entgegen. Auf seiner Stirn war deutlich sichtbar der Abdruck der Tischkante. Gemerkt hatte er es selbst wohl nicht, aber jedem war klar, was gerade passiert war. Ein Nickerchen am Schreibtisch, vermutlich weil ihn die Müdigkeit schlicht umgehauen hatte.

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Vielleicht kennst du dieses Gefühl? Die Mittagspause ist vorbei, du sitzt wieder am Schreibtisch, und dann, so gegen zwei oder halb drei, geht’s los: Die Augen werden schwer, das Hirn arbeitet im Slow-Motion-Modus und am liebsten würdest du deinen Kopf kurz auf die Tastatur legen. Also stehst du auf und holst dir einen Kaffee. Oder du greifst in die Schublade, in der die Süßigkeiten liegen.

Einige Stunden später das umgekehrte Bild. Es ist 22 Uhr, du willst eigentlich langsam ins Bett gehen und plötzlich ist der Kopf hellwach. Er geht das Gespräch vom Vormittag noch einmal durch, diese eine Diskussion im Meeting, den Satz, den du anders hättest sagen sollen. Du fängst an, die Wäsche zusammenzulegen, die Spülmaschine noch kurz auszuräumen. An Schlaf ist nicht zu denken.

Beides hängt zusammen. Und beides hat mehr mit deinem Mittagessen zu tun, als du vermutest.

Kurz zusammengefasst

  • Dein Nachmittagstief entsteht vor allem durch ein zu schweres Mittagessen. Der Körper steckt seine Energie in die Verdauung, und dir fehlt sie danach am Schreibtisch.
  • Ein leichtes Mittagessen mit viel Gemüse und etwas Reis hält dich am Nachmittag wacher.
  • Dass du gegen 22 Uhr wieder hellwach wirst, gehört zu deinem natürlichen Tagesrhythmus. In dieser Zeit solltest du zur Ruhe kommen, damit dein Körper sich nachts erholen kann.

Dein Körper arbeitet nicht den ganzen Tag gleich

Er folgt einem Rhythmus, und der lässt sich ziemlich genau an der Uhr ablesen. Dieser Rhythmus ist im Ayurveda seit Jahrtausenden beschrieben.

Am Mittag, etwa bis 14 Uhr, steht die Verdauung im Zentrum. Es ist die Pitta-Phase des Tages. Das ist die Zeit, in der dein Körper am besten mit Essen umgehen kann. Dein Agni, das Verdauungsfeuer, ist jetzt am stärksten.

Was du dann isst, entscheidet über die nächsten Stunden. Ein schwerer Teller, Schnitzel mit Kartoffelsalat aus der Kantine, hält deinen Körper auf Trab. Er steckt den Großteil seiner Energie in die Verdauung. Und diese Energie fehlt dir dann woanders, nämlich am Schreibtisch um kurz vor drei.

Denn ab dem frühen Nachmittag kommt die bewegte Phase des Tages, die Vata-Phase. Die kreative Zeit, die Zeit für Ideen aber auch für Bewegung. Genau die Zeit, die du für deinen Job gut nutzen könntest, verbringt dein Körper aber noch mit dem Mittagessen. Du sitzt da und kannst dich zu nichts so richtig aufraffen.

Beim Mittagessen liegt der Hebel

Ein Mittagessen, das dich nährt und trotzdem leicht verdaulich ist, verändert deinen Nachmittag. Du bist wacher, klarer und der Griff zur Süßigkeiten-Schublade bleibt nun öfter aus oder fällt komplett weg. Mehr Gemüse, dazu etwas Reis statt des vollgeklatschten Kantinentellers. Du bist gut satt, aber nicht übervoll. Die Energie aus dem Essen steht dir zur Verfügung, statt in stundenlanger Verdauungsarbeit zu verpuffen.

Der Kaffee und die Handvoll Gummibärchen um 15 Uhr fühlen sich im Moment nach Rettung an. Sie geben dir einen kurzen Schub. Kurz danach fällst du aber noch tiefer, dein Blutzucker fährt Achterbahn, und die Müdigkeit kommt mit Wucht zurück. Du behandelst das Symptom und fütterst das Problem gleich mit.

Was passiert am Abend?

Am Abend wird dein Körper von selbst ruhiger und schwerer. Das ist deine tägliche Einladung, herunterzufahren. Nach 22 Uhr passiert dann etwas, das viele in die Irre führt. Wenn du dich nicht gegen 22 Uhr ins Bett begibst, sondern noch wach bleibst, merkst du es: Du bekommst einen Energieschub. Du fühlst dich plötzlich wieder wach und fängst an, die Küche aufzuräumen, schaust noch eine Folge auf Netflix und dann noch eine oder setzt dich sogar noch einmal an den Laptop.

Diese Energie, die du dann spürst ist aber für etwas anderes gedacht. Dein Körper braucht sie für seine Nachtarbeit: Zellen erneuern, aufräumen, entgiften. Das läuft am besten, wenn du ruhst. Nutzt du diese Stunden für Aktivität, fehlt deinem Körper genau die Zeit, die er zur Erholung braucht. Und am nächsten Nachmittag um kurz vor drei sitzt du wieder da, müde. Der Kreis schließt sich.

Wenn der Akku ohnehin schon auf Reserve läuft

Bei vielen berufstätigen Frauen kommt noch etwas dazu. Ihr Akku läuft schon lange auf Reserve, oft seit Wochen. Ein Vormittag voller Meetings, schwierige Gespräche, Entscheidungen im Minutentakt, dazu das Handy, das ständig blinkt, und die Gedanken, die schon beim nächsten Termin sind, während der aktuelle noch läuft. Jede dieser Situationen kostet Kraft und zwischendurch bleibt kaum Zeit, um die eigenen Akkus wieder aufzuladen.

Wenn dein Speicher ohnehin fast leer ist, reicht schon eine Kleinigkeit. Ein Anruf mehr, eine unerwartete Aufgabe, ein Konflikt im Team, und der Körper zieht die Reißleine. Er schaltet in den Erholungsmodus, ob es dir gerade passt oder nicht. Das ist der Moment, in dem dir um kurz vor drei die Augen zufallen, obwohl noch Stunden Arbeit vor dir liegen. Oder du beginnst Fehler zu machen und merkst es für den Moment gar nicht.

Das 15-Uhr-Tief ist dann ein Signal. Es zeigt dir, dass über den Tag zu viel abgezogen wird und zu wenig zurück in den Akku fließt. Ein leichtes Mittagessen ist ein Anfang und wirkt sofort. Der größere Hebel liegt darin, dir über den Tag verteilt kleine Momente zurückzuholen, in denen du auftankst statt nur zu funktionieren. Ein paar tiefe Atemzüge zwischen zwei Terminen, ein kurzer Gang an die frische Luft, eine echte Pause ohne Bildschirm. Klein, aber es summiert sich, genauso wie die Belastung sich summiert.

Und an Tagen, an denen du keine Wahl hast?

Manchmal gibt die Kantine nur Schnitzel mit Kartoffelsalat her, und dein Kalender lässt keine echte Pause zu. Auch dann hast du ein paar kleine Stellschrauben.

Im Ayurveda gilt die Regel: Wenn das beste nicht möglich ist, dann das zweitbeste. Leben in der Lage sozusagen. Füll deinen Teller zuerst mit dem Gemüse oder Salat, der da ist, und iss davon eine ordentliche Portion. Vom schweren Teil nimmst du etwas weniger. Iss langsam und kau in Ruhe, das allein nimmt dem Essen schon einen Teil seiner müde machenden Wucht. Iss nicht mehr, als in deine zwei Hände passt. Damit schließt du aus, dass du deinen Magen zu voll packst.

Nach dem Essen hilft Bewegung. Ein kurzer Gang um den Block, fünf bis zehn Minuten reichen, bringt deine Verdauung in Schwung und hält dich wacher als jeder Kaffee. Wenn selbst das nicht drin ist, geh wenigstens ans Fenster, öffne es und atme ein paar Mal tief durch. Mehr Tipps gegen das Mittagstief findest du auch hier.

Und wenn der Nachmittag dich trotzdem erwischt: Greif zu warmem Wasser oder einem Ingwertee statt zur Süßigkeiten-Schublade. Das unterstützt deine Verdauung, statt deinen Blutzucker auf die nächste Achterbahn zu schicken.

Fang klein an

Die gute Nachricht: Du kommst an diesen Rhythmus ran, und zwar an einer Stelle, die du jeden Tag selbst in der Hand hast: deinem Mittagessen. Wähl morgen zum Mittag etwas Leichteres, mehr Gemüse, eine warme Mahlzeit, die dich sättigt, ohne dich zu beschweren. Dann beobachte, wie sich dein Nachmittag anfühlt. Dein Körper gibt dir die Antwort noch am selben Tag.

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Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Diana

    Der Kollege mit dem Tischkanten-Abdruck auf der Stirn hat mich sofort in den Artikel gezogen, so eine Szene vergisst man nicht. Und beim hellwachen Kopf um 22 Uhr hab ich mich ertappt, der geht bei mir auch gern nochmal alle Gespräche vom Tag durch. Dass beides mit dem Mittagsteller zusammenhängt, nehme ich als sanften Auftrag für nächste Woche mit: mehr Gemüse auf den Teller, weniger vollgeklatschte Portion. Danke für die klare Erklärung ohne erhobenen Zeigefinger.

    Füchsische Grüsse, Diana

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Mentalcoach Langenau - Ulm

Hi, ich bin Susanne und ich liebe es, zu schreiben. Auf meinem Blog kann ich diese Leidenschaft ausleben und dazu noch meine Lieblingsthemen wie gesunde Routinen, Ayurveda und mentale Gesundheit in die Welt tragen. Du willst mehr über mich wissen? Dann klick hier. 

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