Heute gibt es ein bisschen Insider-Ayurveda-Wissen auf die Augen. Ojas (gesprochen „Otschas“) ist im Ayurveda die Essenz des Lebens und steht für unsere grundlegende Energie, Ausstrahlung und Widerstandskraft.
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Viele Menschen spüren im Alltag, wenn diese Energie nachlässt. Sie fühlen sich müde, gestresst oder ausgelaugt. Hast du dahingegen genug Ojas angesammelt, sorgt das für schöne Haut, für ein strahlendes Aussehen und für eine unwiderstehliche Anziehungskraft.
In diesem Artikel erfährst du, was Ojas im Ayurveda bedeutet, warum Stress als echter Ojas-Killer gilt und wie du deine Lebensenergie wieder stärken kannst.
Kurz erklärt:
Was ist Ojas im Ayurveda?
Ojas steht im Ayurveda für Vitalität, Immunkraft und natürliche Ausstrahlung.
Ist Ojas stark, fühlen wir uns energiegeladen, stabil und zufrieden.
Stress, Schlafmangel und falsche Ernährung können Ojas schwächen. Ein schwaches Ojas macht sich häufig durch Müdigkeit, Infektanfälligkeit und fehlende Ausstrahlung bemerkbar.
Ojas – unsere Ursprungsenergie
Im Ayurveda unterscheiden wir drei unterschiedliche Energieformen:
- Ojas – die Ursprungsenergie. Sie steht für Kraft, Stabilität und Ausstrahlung. Ojas ist die Essenz aller Körpergewebe und wird eng mit unserer Widerstandskraft und inneren Balance verbunden.
- Tejas – die Umsetzungsenergie. Sie steht für Willenskraft, Klarheit und die Energie des Feuers. Tejas hilft uns, Nahrung, Eindrücke und Erfahrungen zu verarbeiten und in Energie umzuwandeln.
- Prana – die Lebenskraft. Sie bringt Bewegung und Vitalität in den Körper. Über den Atem, frische Luft und Bewegung gelangt Prana in unseren Organismus und hält alle Prozesse in Gang.
Alle drei Energien brauchen wir zum Leben und zum Gesundbleiben. Sie arbeiten eng zusammen. Prana bringt Energie in Bewegung, Tejas verwandelt und verarbeitet sie und Ojas ist das stabile Fundament, das daraus entsteht.
Heute beschäftigen wir uns „nur“ mit unserer Ursprungsenergie, dem Ojas. Denn ohne Ojas fehlt dem Körper die Grundlage für Vitalität und Widerstandskraft.
Im Ayurveda unterscheidet man dabei zwei Formen von Ojas: Para Ojas und Apara Ojas.

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Para Ojas, die acht Energietropfen im Herzen
Ayurveda ist eine sehr bildhafte Lehre und so ist auch der folgende Abschnitt bitte nicht wortwörtlich zu nehmen. Doch macht uns diese Geschichte um die acht Energietropfen so deutlich, warum eine vollständige Regeneration von jeglicher Erkrankung so wichtig ist.
Laut der ayurvedischen Lehre schenkt uns unsere Mutter während der Schwangerschaft acht Tropfen Grundenergie, die in unserem Herzen gepflanzt werden. Diese acht Tropfen Ojas sind nicht erneuerbar und ich verbrauche sie im Laufe meines Lebens. Gehe ich also davon aus, dass ich stolze 100 Jahre alt werden kann, so macht das im Schnitt pro 12,5 Jahren einen Tropfen. Je mehr Tropfen ich verbrauche, desto schwächer werde ich. Sind alle Tropfen verbraucht, schließe ich für immer meine Augen und sterbe.
Wie schnell ich nun tatsächlich meine acht Tropfen aufbrauche, hängt stark von meiner Lebensweise ab. Lebe ich entgegen meiner eigenen Konstitution, schlafe zu wenig oder zu viel, ernähre mich nicht so, wie es mir zuträglich wäre und betreibe Raubbau an meinem eigenem Körper so wird das eher nix mit den 12,5 Jahren pro Tropfen. Vielleicht muss ich aber auch eine schwere Erkrankung erleiden oder habe zum Beispiel einen Autounfall, der für mich so traumatisch ist, dass ich mich länger davon nicht erhole. In solchen Fällen verbrauche ich auch mehr Para Ojas auf einmal.
Äußerlich altert man dann schneller, die Haut verliert schneller an Spannkraft und die Augen verlieren ihr Strahlen.

Warum Stress dein Ojas schwächt
Der Ojas-Killer schlechthin ist Stress. Indem wir permanent mehr Energie verbrauchen, hochtourig durchs Leben rennen, gehen wir an unsere Reserven und verbrauchen diese in kurzer Zeit. Jean-Pierre Crittin schreibt in seinem Buch „Ayurvedische Psychologie“, dass Burnout-Patienten bis auf den letzten Tropfen alle frühzeitig aufgebraucht haben. Ich finde, dieses Verständnis von der Schwere des Erschöpfungszustands eines Burnout-Patienten macht deutlich, wie wichtig Prävention in diesem Bereich ist. Ein Mensch, der einmal einen Burnout erlitten hat, muss Zeit seines Lebens mit seinen Energiereserven sehr gut haushalten. Aus ayurvedischer Sicht kann die ursprüngliche Kraft und Ausdauer nicht mehr zurückgewonnen werden, es gibt allerdings eine Möglichkeit, den Energiehaushalt regelmäßig wieder zu füllen.
Apara Ojas aufbauen: So kannst du deine Energie stärken
Wir haben neben den acht Tropfen, die vergänglich sind und nicht reparabel, die Möglichkeit, selbst Ojas zu produzieren. Auch hier hat der Ayurveda ein schönes Bild gezeichnet: Ein Tropfen Para Ojas verwandelt sich zu Beginn deines Lebens in Apara Ojas. Dieser Tropfen ist ein bisschen wie ein Sparguthaben, dass uns unsere Eltern zu Beginn unserer beruflichen Karriere vorzeitig vererben. Du kannst alles auf einmal ausgeben oder damit haushalten und vielleicht das Guthaben sogar vermehren, in dem du selbst Geld, dass du verdienst und sparst dort einzahlst.
Wir können Apara Ojas vermehren, indem wir unseren Körper gut nähren und verwöhnen, in dem alle Körpergewebe gut versorgt werden und wir nach unserer Grundkonstitution leben.
Ojas wird aus der Essenz aller Körpergewebe gebildet, so wie Honig die Essenz der Blumen ist, welche Bienen sammeln.
Caraka Samhita Su.17.75
Auch auf das Apara Ojas müssen wir acht geben. Wir sterben zwar nicht, wenn es nahezu verschwunden ist, jedoch kann dieser Mangel an Ojas zu Krankheiten führen. Wir wirken abgeschlagen, energielos, müde und erschöpft.
Ojas-Mangel erkennen: Typische Symptome
Ein Ojas-Mangel entsteht meist nicht von heute auf morgen. Oft sind es viele kleine Dinge über längere Zeit: Stress, zu wenig Schlaf, fehlende Routinen, unregelmäßige Mahlzeiten oder eine Ernährung, die den Körper nicht wirklich nährt.
Mit den folgenden Fragen kannst du testen, wie es um dein Ojas bestellt ist:
- Fühlst du dich seit einem längeren Zeitraum häufig abgeschlagen und ausgebrannt?
- Fühlst du dich antriebslos und kannst dich schlecht zu irgendetwas motivieren?
- Sieht deine Haut in letzter Zeit fahl aus und dir fehlt deine gewohnte Ausstrahlung?
- Wirst du öfter krank und bist generell anfälliger als früher für Infekte?
- Hast du kaum noch Lust auf Sex und ist dein Sexualleben nahezu eingeschlafen?
- Fühlst du dich seit einem längeren Zeitraum unglücklich, unerfüllt oder unzufrieden?
- Fühlst du dich seit einem längeren Zeitraum dauerhaft gestresst, gereizt oder angespannt?
Beantwortest du zwei oder mehr Fragen mit „Ja“, darfst du dich gern um deinen Energiehaushalt kümmern.
5 Wege, um dein Ojas im Alltag zu stärken
Ojas entsteht im Ayurveda nicht durch eine einzelne Maßnahme. Es baut sich langsam auf, wenn Körper und Geist regelmäßig genährt werden. Kleine Gewohnheiten im Alltag können dabei mehr bewirken als kurzfristige Programme.
1. Regelmäßig und nährend essen
Ojas entsteht aus gut verdauter Nahrung. Warme, frisch gekochte Mahlzeiten sind deshalb besonders wertvoll. Suppen, Eintöpfe, Reisgerichte oder gedünstetes Gemüse sind für den Körper leichter zu verarbeiten als kalte oder stark verarbeitete Lebensmittel. Auch hochwertige Fette wie Ghee oder etwas Mandelmus gelten im Ayurveda als besonders aufbauend. Ein Rezeptbeispiel findest du hier.
2. Für ausreichend Schlaf sorgen
Schlaf ist eine der wichtigsten Quellen für Ojas. Wer dauerhaft zu wenig schläft oder erst spät zur Ruhe kommt, zehrt seine Energiereserven schnell auf. Versuche deshalb, abends früher herunterzufahren. Ein ruhiger Abend ohne Bildschirm, eine warme Dusche oder eine kurze Meditation können dir helfen, den Körper auf Schlaf einzustimmen. Etabliere eine wohltuende Abendroutine, die deinen Körper darauf einstimmt, dass es jetzt Zeit ist, zur Ruhe zu kommen.
3. Stress bewusst reduzieren
Dauerhafter Stress gilt im Ayurveda als einer der größten Ojas-Räuber. Der Körper bleibt in Alarmbereitschaft und verbraucht ständig Energie. Schon kleine Pausen im Alltag können helfen. Ein kurzer Spaziergang, ein paar tiefe Atemzüge am offenen Fenster oder fünf Minuten Stille wirken oft stärker, als man denkt.
4. Sanfte Bewegung in den Alltag bringen
Bewegung stärkt den Stoffwechsel und unterstützt den Aufbau von Ojas, solange sie nicht in Überforderung ausartet. Besonders geeignet sind ruhige Formen wie Yoga, Spaziergänge oder leichtes Krafttraining. Du solltest dich danach lebendig und zufrieden fühlen.
5. Momente der Freude pflegen
Auch emotionale Balance spielt eine Rolle. Dinge, die dich innerlich aufatmen lassen, wirken im Ayurveda direkt auf dein Ojas. Das kann Zeit im Garten sein, ein gutes Gespräch mit Freunden oder ein Moment ganz für dich mit einer Tasse Tee. Solche kleinen Inseln im Alltag nähren nicht nur den Geist, sondern auch deine Lebensenergie.
Fazit: Ojas ist die stille Kraft hinter unserer Energie
Im Ayurveda gilt Ojas als eine der wichtigsten Grundlagen für Gesundheit, Vitalität und Ausstrahlung. Wenn unser Ojas stark ist, fühlen wir uns stabil, ruhig und gleichzeitig lebendig.
Ojas wächst durch viele kleine Dinge im Alltag: guten Schlaf, nährende Mahlzeiten, weniger Stress und einen Tagesrhythmus, der uns guttut. Und jetzt kommt die gute Nachricht: Du kannst jederzeit beginnen, dein Ojas wieder aufzubauen.
Vielleicht magst du heute einmal kurz innehalten und dich fragen: Was würde meinem Körper gerade wirklich guttun?
Wenn du beginnst, deinem Körper täglich ein wenig mehr Aufmerksamkeit zu schenken, baut sich diese stille Kraft nach und nach wieder auf.
In diesem Sinne – auf ein starkes Ojas!
Susanne
P.S. Viele Dinge, die Ojas stärken, beginnen bereits am Morgen.
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